 |
|
FLAMENCO
"Flamenco" hat nichts mit Folklore zu tun. Er ist eine Kunstform für sich, die in Andalusien entstand und von den dort ansässigen Zigeunern (Gitanos) geprägt wurde. Ende des 15. Jahrhunderts zogen die Gitanos von Indien, über Pakistan, Ägypten und den Balkan, in den Süden Spaniens. Auf ihrer Reise mischten sie musikalische und tänzerische Einflüsse Indiens, Arabiens und anderer Kulturkreise mit ihren Traditionen. In Spanien angelangt, nahmen sie die andalusische Musik auf, die hebräische sowie maurische Elemente enthält. Wie die Juden und Mauren wurden die Gitanos in Spanien verfolgt. Ihnen drohte die Inquisition, wollten sie sich nicht taufen lassen, ihre Traditionen ablegen und leben wie Nicht-Zigeuner (Payos). Die Gitanos flüchteten, wo es ihnen möglich war, in die Berge oder lebten ausgegrenzt in ihren Vierteln, Gitanerías genannt. Die jüdische Bevölkerung, z. B. in Juderías. In unmittelbarer Nähe dieser Viertel lebten die ärmsten Spanier. Unterdrückte und Ausgestoßene waren somit unter sich. In diesen Verhältnissen entstand der Flamenco und es verwundert nicht, daß er Ausdruck der Verzweiflung ist.
In seinem Ursprung ist Flamenco spontan und intim. Man sang und tanzte im Kreise der Familie, berichtete singend vom hoffnungslosen Alltag. Erst Ende des 19. Jahrhunderts nahm der Flamenco seinen Weg auf die Bühnen von Cafés, Theatern und in die Kinos. Er mußte sich öffnen, gefälliger werden, denn man hatte dem Publikum zu dienen, eine Einstellung, die der Intimität des Flamenco zuwider läuft, aber Öffnen heißt auch Entwickeln. Und Entwicklung vermeidet Starre. Der Flamenco fand Bewunderer innerhalb und außerhalb Europas. Die aus verarmten Verhältnissen stammenden Künstler konnten reisen. Erste Engagements führten nach Paris, New York, Argentinien und an die amerikanische Westküste. Wie groß der kulturelle Austausch in den letzten Jahrzehnten war und heute noch ist, entdeckt man mühelos. Elemente anderer Stilrichtungen finden sich in verschiedenen Produktionen. Beispiele sind die Gitarristen Paco de Lucía und Manolo Sanlucar, die Einflüsse des Jazz bzw. der Klassik in ihre Musik integrieren. Der Tänzer Joaquin Cortés ist klassisch ausgebildet. Choreographien Belén Mayas und Montsé Sanchez' enthalten Elemente des Modern-Dance. Camaron de la Isla (W) erneuerte den Gesang. Mayte Martin, Niņa Pastori internationalisierten ihn und die Band Ojos de Brujo verwebt traumhaft Hip-Hop mit Flamenco.
|
|
Am Anfang war der Gesang. Der Sänger benötigte keine melodiöse Begleitung. Ihm reichten Palmas (Händeklatschen). Dem Gesang folgte der Tanz und ihm die Gitarrenbegleitung.
CAMINATA - Compañía Flamenca de Anya
So verwundert es nicht, daß sich noch heute beide, Tanz und Gitarrenbegleitung, dem Gesang unterordnen, es eine insgeheime Rangordnung gibt. Der Tänzer, traditionell immer ein Solist, interpretiert den Cante. Er stellt sich mit guter Intuition auf den Sänger ein, denn jeder benutzt, die für ihn typischen Phrasierungen, kann Verse verkürzen oder verlängern. Um sich auf die Stimmung des Cante einzustellen versucht der Tänzer mit sich und dem Gesang allein zu sein. Das Publikum wird vergessen und das Innerste teilt sich mit. Der Respekt dem Gesang gegenüber und die Rigorosität, sich nicht in erster Linie einem Publikum zuzuwenden, ist das wohl auffälligste Element des Flamenco, das ihn von anderen Tanzformen unterscheidet.
>>> Menü
|
|
|
|
| © 2004 DeltaWeb |